Weihnachtskonzert

28.​11.​2026 um Uhr

 

St. Bartholomaei, Hansestadt Demmin

Kantorei Demmin
Preußisches Kammerorchester, Prenzlau
Leitung KMD Prof. Thomas Beck St. Bartholomaei, Hansestadt Demmin, 17:00 Uhr


An diesem Abend genießen Sie folgende Werke:

 

Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium (BWV 248) Kantaten I & III

Johann Sebastian Bach: Messe in h-Moll (BWV 232) Teil III und IV


Weihnachtsoratorium

 

Als Bach im Winter 1734/35 das Weihnachtsoratorium schrieb, lag Leipzig im üblichen Rhythmus der Festtage. Die sechs Kantaten begleiteten die Gemeinde durch die Zeit von Weihnachten bis Epiphanias – damals einzeln aufgeführt, als musikalische Wegmarken im Kirchenjahr. Erst später erkannte man, wie eng diese Stücke zusammengehören.

Für die Kantaten des Oratoriums griff Bach auf Musik zurück, die ursprünglich für höfische Anlässe entstanden war. Er passte Texte und Instrumentation an und gab den festlichen Klängen einen neuen, geistlichen Rahmen. Die Eingangschöre „Jauchzet, frohlocket“ und „Herrscher des Himmels“ tragen diesen doppelten Ursprung hörbar in sich: Sie klingen nach Trompeten und Pracht, öffnen aber zugleich den Raum für die Weihnachtsgeschichte.

 

Kantate I – „Jauchzet, frohlocket“ (25. Dezember)

 

Die erste Kantate ist ein festlicher Auftakt zum Weihnachtstag. Trompeten und Pauken setzen ein klares Zeichen, bevor Chor und Orchester die Geburt Christi verkünden. Zwischen den Rezitativen des Evangelisten stehen Engelschöre, Arien und vertraute Choräle – ein Wechsel zwischen Erzählung und Besinnung, zwischen festlicher Freude und stillen Momenten.

Die Musik holt die Gemeinde in die Geschichte hinein, ohne große Worte. Sie öffnet einfach den Raum und lässt die Weihnachtsbotschaft wirken.

 

Kantate III – „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“ (27. Dezember)

 

Zwei Tage später richtet Bach den Blick auf die Hirten – Menschen, die der Weihnachtsgeschichte mit schlichter Offenheit begegnen. Auch diese Kantate beginnt mit einem festlichen Chor, der am Ende wiederkehrt und die drei Weihnachtstage musikalisch zusammenbindet. Traversflöten und Oboen zeichnen die Hirtenmusik, die Engel treten in kunstvollen Chorsätzen hervor. Die Arien schaffen Momente der inneren Sammlung, die Choräle geben der Gemeinde ihre Stimme. Es ist eine Kantate, die ohne große Geste auskommt und gerade dadurch berührt: ein stiller Blick auf die Menschwerdung.

 

Herausforderungen der Komposition

Bach arbeitete unter Bedingungen, die man heute kaum nachvollziehen kann. Innerhalb weniger Wochen sollten sechs Kantaten entstehen – zusätzlich zu seinen Aufgaben als Thomaskantor. Die Musik musste den liturgischen Vorgaben entsprechen und in zwei verschiedenen Leipziger Kirchen aufführbar sein. Die Probenzeiten waren knapp, die Besetzungen wechselten, und die Qualität der Sänger und Instrumentalisten war nicht immer gleich. Dass unter solchen Umständen ein Werk von solcher Geschlossenheit entstand, gehört zu den leisen Wundern der Musikgeschichte.

 

Spirituelle Bedeutung

 

Das Weihnachtsoratorium erzählt die Weihnachtsgeschichte nicht nur, es deutet sie. Kantate I feiert die Geburt Christi als Ankunft von Licht und Hoffnung. Kantate III zeigt die Antwort der Menschen: das Staunen der Hirten, ihre Demut und ihr Lauschen.

Trompeten stehen für Herrlichkeit, Flöten und Oboen für die Hirten, die Choräle für die Gemeinde. Der Evangelist führt durch die Geschichte, die Arien vertiefen die inneren Bewegungen. So wird die Weihnachtsbotschaft hörbar – schlicht, klar und ohne Pathos.

Auch Menschen ohne religiöse Bindung finden im Weihnachtsoratorium einen Ort der Ruhe. Die Musik schafft einen Raum, in dem man durchatmen kann – unabhängig vom Glauben. Sie gehört zur europäischen Kulturgeschichte und zu den Ritualen der Advents- und Winterzeit. Geburt, Hoffnung, Licht – das sind Themen, die weit über den kirchlichen Rahmen hinausreichen. Viele erleben die Aufführung als eine Pause im Jahreslauf, als Moment der Sammlung. So wird die Weihnachtsgeschichte zu einer menschlichen Erfahrung, die auch heute noch trägt.


Messe in h-Moll

 

Die h‑Moll‑Messe gilt als eines der größten und anspruchsvollsten Werke der europäischen Musikgeschichte. Als letztes vollendetes Vokalwerk wirkt sie wie ein musikalisches Vermächtnis, ein Ort, an dem Johann Sebastian Bach noch einmal die gesamte Fülle seines Lebenswerks zusammenführt, seine künstlerische Vielfalt, seine geistige Tiefe und die verwurzelte lutherische Frömmigkeit. Obwohl Bach Protestant war, folgt die Messe dem lateinischen Ordinarium und wirkt damit konfessionsübergreifend – ein Werk, das liturgische Tradition und universelle Spiritualität miteinander verbindet.

 

Teil III, das Sanctus („Heilig“), ist ein zentraler Höhepunkt. Ein sechsstimmiger Chor entfaltet sich einem strahlenden Klangraum, dessen überwältigende Polyphonie an die Vision eines himmlischen Chores aus Jesaja 6 erinnert, wie ein kosmischer Dom aus Klängen, majestätisch, kreisend, lichtdurchflutet. Die Stimmen steigen auf, fallen zurück, umkreisen einander – ein musikalisches Bild für die Ewigkeit Gottes und die Fülle der Schöpfung. Im zweiten Teil, Pleni sunt coeli („die Himmel sind gefüllt…“), kommt Bewegung hinzu, eine fast tänzerische Lebendigkeit, die spürbar macht, was der Text sagt: „Himmel und Erde sind erfüllt von deiner Herrlichkeit“.

 

Der Teil IV der h-Moll Messe – Osanna, Benedictus, Agnus Dei, Dona nobis pacem – zeichnet einen spirituellen Weg nach, der die Spannweite der menschlichen Erfahrung umfasst: Jubel, Stille, Leid und Hoffnung. Das Osanna (Ruf der Freude und Huldigung) ist ein doppelchöriger Triumphgesang, ein himmlischer Jubelruf, der Hoffnung und überströmende Freude ausdrückt. Das Benedictus („Gesegnet“) ist ein leiser Gegenpol: ein zarter, fast intimer Satz, der auf das stille Kommen des Heiligen hinweist, mit Demut, Nähe, Menschlichkeit. Dem folgt das Agnus Dei („Lamm Gottes“); hier wird die Wehklage der Welt hörbar. Die Altstimme trägt eine Trauer, die nicht erdrückt, die das Leid der Welt nicht verbirgt, sondern in eine Haltung tiefen Mitgefühls verwandelt. Das abschließende Dona nobis pacem („Gib uns Frieden“) ist eine Friedensbitte, die offen bleibt. Bach greift das frühere „Gratias agimus tibi“ („Wir danken dir“) aus Teil I wieder auf – doch nun wird aus dem Dank ein Gebet. Ein Friedensgebet, das die Hörenden einbezieht und ganz besondere aktuell ist.

 

Anmerkung: Warum berührt uns Teil IV der h-Moll Messe so tief?

 

Er ist ein musikalischer Kommentar zu unserer Welt, ohne Worte über Politik oder Gesellschaft. Vielleicht, weil Bach etwas ausspricht, das unsere Welt immer wieder braucht, ohne es direkt zu benennen. Er endet nicht im Triumph, sondern in einer dringenden Bitte: „Gib uns Frieden“. Damit macht er uns alle zu Mitverantwortlichen. Denn Frieden ist kein Zustand, sondern eine Aufgabe. Frieden beginnt im Inneren und strahlt nach außen. Frieden ist das letzte Wort, das wir als Menschheit haben sollten. Der Schlussteil der Messe in h-Moll von Johann Sebastian Bach ist ein spiritueller Raum, in dem Menschen zusammenfinden können, unabhängig von Konfession, Herkunft oder Weltanschauung, der uns erinnert, was uns verbindet.

 

Veranstalter

Kantorei Demmin der Evangelischen Kirchengemeinde Demmin

Kirchplatz 7
17109 Demmin

(03998) 433483
(03998) 253578

E-Mail:
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www.kantorei-demmin.de